Der Waldboden in Deutschland

Kein sauberes Trinkwasser und keine Artenvielfalt ohne gesunden Waldboden             

Buchen brauchen wie alle Waldbäume einen vitalen Boden und ein starkes Wurzelwerk, um den Umwelteinflüssen gewachsen zu sein. Das natürliche und effektivste Vorbeuge- und Heilmittel gegen die Übersäuerung der Waldböden ist kohlensaurer Magnesiumkalk.

Der Boden gehört zu der Grundlage unseres Lebens und benötigt daher besonderen Schutz. In Deutschland gehen täglich 74 Hektar Boden für Siedlungs- und Verkehrsflächen verloren, Schadstoffeinträge und Nährstoffentzüge bringen zusätzlich das Stoffgefüge aus dem Gleichgewicht.

Der Waldboden, der zu den ursprünglichsten unserer Böden gehört, übernimmt einige besondere Schutzfunktionen. Durch seinen vielschichtigen Aufbau kann er in kurzer Zeit viel Wasser aufnehmen und so Niederschlagsspitzen abschwächen. Das aufgenommene Wasser wird des Weiteren im Boden gereinigt. Luftschadstoffe und Schwermetalle werden gefiltert, sodass sauberes Trinkwasser gewonnen werden kann. Der deutsche Wald stellt als größter Süßwasserspeicher ca. 70 % des Trinkwassers bereit.

Durch den kontinuierlichen Eintrag von Stickstoff aus Landwirtschaft, Industrie und Verkehr übersättigen die Böden – eine Gefahr für den Trinkwasserschutz. Bereits jetzt erreichen einige Waldböden in Deutschland einen kritischen Nitratwert von über 25 mg/l (entspricht dem ehemaligen Grenzwert für Trinkwasser).

Das Ungleichgewicht im Boden, verursacht durch den Nährstoffentzug und den Luftschadstoffeintrag, zieht viele Konsequenzen nach sich: Die Wuchsleistung der Bäume nimmt ab, die Zusammensetzung der Waldpflanzen verändert sich und die Anzahl wichtiger Bodenlebewesen, wie z.B. Regenwürmer, verringert sich. Diese Veränderungen führen wiederum dazu, dass die Schutzfunktionen des Bodens nicht ausreichend erfüllt werden können – mit teils verheerenden Konsequenzen für unsere Gesundheit.

 

Hintergrundinformationen zum Waldboden in Deutschland

Entstehung und Zusammensetzung:

  • Unsere Böden sind nach der letzten Eiszeit entstanden und sind etwa 12.000 Jahre alt
  • Bis sich ein Zentimeter Boden entwickelt hat, vergehen mindestens 100 Jahre
  • Die Fruchtbarkeit unserer Böden beruht auf etwa 1 m Krume – hauchdünn im Vergleich zum Erddurchmesser von 12.000 km
  • Durchschnittliche Bodenprobe besteht aus zu 45 % aus Mineralien, 25 % Wasser, 25 % Luft und 5 % organische Materie
  • Böden sind zweitgrößter Kohlenstoffspeicher, sie enthalten 1.500 Gigatonnen Kohlenstoff
  • Weltweit nimmt der Boden 20 % der anthropogenen CO2-Emissionen auf

Waldboden und Wasser:

  • In Deutschland gelangen jährlich durchschnittlich 700 Millimeter (= Liter pro Quadratmeter) Niederschlag auf die Erdoberfläche. Im Wald verdunsten davon etwa 70 %
  • Wasserspeicherkapazität des Waldbodens: in den humusreichen oberen 10 cm können in kurzer Zeit bis zu 50 l Niederschlagswasser gespeichert werden; insgesamt kann ein m² Boden bis zu 200 l Wasser speichern
  • Gefiltertes Wasser unter Wald macht 70 % des bundesweit gewonnen Trinkwassers aus

Leben im Boden:

  • In 0,3 m³ Waldboden leben ca. 2,5 Billionen Lebewesen, davon etwa 1,2 Millionen Tiere
  • Die Lebewesen in einem Hektar Waldboden ergeben eine Masse von bis zu 25 Tonnen!

Gefährdung:

  • Täglich gehen 74 Hektar (=113 Fußballfelder) Boden durch Bebauung und Verkehrsflächen verloren; ca. 13 % der Fläche in Deutschland sind bereits versiegelt
  • Einmal mit Schwermetallen oder Chemikalien belastet, kann der Boden gar nicht oder nur mit sehr großem Aufwand saniert werden
  • Bundesweit zwei Bodenzustandserhebungen: Ende 1980er/Anfang 90er (BZE1), 2006-2008 (BZE2, Ergebnisse zur Zeit nur auf Landesebene)

Sonstiges:

  • 2015 wurde der Pseudogley (Stauwasserboden) vom Kuratorium „Boden des Jahres“ zum Boden des Jahres gekürt
  • Am 5. Dezember ist Weltbodentag

Datenquelle: Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Bundesverband e. V.

Die SDW wird in diesem Jahr in ihren Veranstaltungen und waldpädagogischen Projekten ihren inhaltlichen Schwerpunkt auf den Boden legen. Vielen Menschen im Jahr des Bodens deutlich zu machen, dass der vielfältige Nutzen der Waldböden und ihr nicht ersetzbare Wert geschützt werden müssen, hat sich die SDW zur Hauptaufgabe für 2015 gemacht.

Weiterlesen: Boden in Zahlen

Weiterlesen: Den Bodenzustand ermitteln